Home
Die Spurweite 45mm bietet dem kompromißbereiten Gartenbahner die Chance, unterschiedlichste Vorbildrealitäten im Kleinen nachzugestalten und sein Modellbahnerleben multidimensional auszukosten.

Wollen wir das Thema vereinfacht (!) beleuchten und zu Beginn uns erinnern: es gibt die sogenannte "normale Eisenbahn" mit 1435mm Spurweite und es gibt Bahnen mit weit geringerer Spurbreite, in der Hauptsache mit 1000mm (der sogenannten Meter-Spur) und die ach so typischen 760mm Strecken, wie die der Zillertal- oder Murtalbahn.

Das Wesentliche: Die klassischen Eisenbahnen sind entsprechend groß und voluminös, sie brauchen einen schweren Oberbau und große bis größte Kurvenradien. Kleinbahnen hingegen sind, wie der Name schon sagt, wesentlich kleiner, zierlicher, kompakter, leichter und wendiger. Schmalspurstrecken sind kurvenreicher, die Radien mitunter dramatisch eng, um schwieriges Gelände zu erschließen bzw. um Flußläufen leichter folgen zu können.

Ich lege größten Wert auf die Feststellung, daß wir diese Thematik STARK vereinfacht behandeln, denn es geht in erster Linie um das Begreifen lernen, warum unterschiedliche Fahrzeuggattungen in unterschiedlichen Größen bzw. unterschiedlichen Dimensionen auf ein und demselben Gleis zu betreiben sind.

Das sind sie übrigens NUR deswegen, weil wir hier mehr als nur ein Auge zudrücken! In der Mentalwelt der Gartenbahner muß mit dem Thema "Maßstäblichkeit" bzw. mit den Begriffen "Vorbildtreue" und "Modellbau" ganz anders umgegangen werden, wie im klassischen Musealmodellbau mit dem Anspruch auf Präzision und seinen beinahe  "intoleranten Toleranzen".

Weder sagt die Bezeichnung G-Spur Gleis etwas Näheres über die Beschaffenheit des Schienenstranges aus, noch kann sich einer ein Bild von einem Spur1 Gleis machen. Bei haben als Innenmaß die berühmt berüchtigten 45mm, - das ist aber schon alles. Denn da gibt es noch die Beschaffenheit des Schienenprofiles mit seinen individuellen Ausformungen des Schienenkopfes und des Schienenfußes samt den dazugehörigen Schienenplatten, Schienennägel  oder sonstigen Befestigungsarten. Von der Beschaffenheit und Länge der Schwellen und dem Abstand zueinander ganz zu schweigen.  Die Normen für die Räderbeschaffenheiten, insbesondere die Breite der Lauffläche und die Höhe und Ausformung des Spurkranzes stellen den wahrscheinlich wichtigsten Parameter im Rad-Schiene Zusammenspiel dar. 

Diese kleine Anspielung auf die Vielzahl der technischen Vorgaben bzw. Gegebenheiten bei Vorbild und den sich daraus ergebenden Problemen im Modell in Verbindung mit dem Eigenleben der Natur mit all ihrem Getier und den wechselnden Witterungsbedingungen, möge die sogenannten "Hundertprozentigen" doch nachdenklich stimmen und geneigt machen, dieser beachtlich großen Gruppe von Eisenbahnliebhabern mit "fachlichem Verständnis" zu begegnen.

Grob vereinfacht gesagt, benützen Gartenbahner wetterfestes Schienenmaterial unterschiedlichster Hersteller und Ausführungen mit der einheitlichen Spurweite von  45mm, für das sich die Bezeichnung G-Spur-Gleis international durchzusetzen begonnen hat.

Damit nun Fahrzeuge der "Großen" Eisenbahn und Loks einer "Bimmelbahn" auf demselben 45mm Gleis fahren können, bedient man sich des unterschiedlichen Verkleinerungsmaßstabes.

Konkret

(M = 1:32)   

1435mm : 32 = 45mm  (44,84375000) macht die "Grosse Eisenbahn" zu SPUR 1 Modellen.

(M = 1:22,5)

1000mm :22,5 = 45mm  (44,44444444) ist die Basis für korrekte Schmalspur-Modelle auf Meterspur, wie bei LGB zu finden.

Alles gleichermaßen die Spurweite 45mm benutzend. Daß es dabei dennoch der Spurkränze wegen gewisse Einschränkungen gibt, wollen wir hier außer Acht lassen.

Der Verkleinerungs-Maßstab nimmt tatsächlich einen untergeordnete Stellenwert ein, er reicht von 1:16 über 1:20,3, 1:22,5, 1:24, 1:29 bis zu 1:32, abhängig davon, welches Vorbild man auf seinen 45mm Gleisen fahren sehen und betreiben möchte. Um die Sache komplett zu machen, sei erwähnt, daß es bei gewissen Fahrzeugmodellen einen sogenannten "Mischmaßstäbe" gibt, um im Einzelfall die störungsfreie Beweglichkeit bzw. Funktionalitäten bei Fahrwerken zu garantieren.

Als Beispiel mögen die Modelle österreichischer Vorbilder dienen, wie etwa jene der Reihe 2095, deren Beweglichkeit der Drehgestelle wegen der Umkonstruierung auf Meterspur die Konstrukteure zu Konzessionen am Lok-Kasten und dem Fahrwerk zwang.

Maßstabsdiskussionen werden zwar immer geführt und scheinen nicht auszurotten zu sein, sind aber de facto kontraproduktiv und daher sinn- und nutzlos. Beinahe jedes Kind weiß, daß eine LGB 2095 oder 2091 maßstäblich "nicht stimmt", dennoch erfreuen sich diese Modelle bei den Gartenbahnern größter Beliebtheit. Ja die Szene wäre ausgesprochen arm an Fahrbetriebsmittel, würden diese Fahrzeugmodelle nicht geben.

Abgesehen davon, kaum woanders wird soviel umgebaut, umgespurt und adaptiert, wie bei "privaten Privatbahnen", da bewegt man sich als "Chef einer Gartenbahn" in durchaus guter Gesellschaft.

Zusammenfassend: In unseren Gärten fahren Modelle verkleinerter Vollbahnzüge ebenso, wie Modelle verschiedenster Schmalspurfahrzeuge bis hin zu putzigen Feldbahnloks. Weil Modellbahn fröhlich stimmen und wirklich Spaß machen soll, finden auf nicht wenigen Anlagen zeitweise auch Exoten aus dem fernen Amerika bzw. vor allem auch Echt-Dampf-Lokomotiven (Live Steam) bis hin zu meterlangen, funkferngesteuerten spiritus- oder gar kohlegefeuerten Garrat's mit ihren Doppeltriebwerken Verwendung. 

Der gestandene Gartenbahner nimmt's eben locker.

Oder, wie der Amerikaner sagt:

                                         MODEL RAILROADING IS FUN.  Punkt.